Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Fundraising. Warum? Weil ich u.a. in diesem Bereich tätig bin und seit Herbst diesen Jahres an der Fundraisingakademie Frankfurt ein zweijähriges Zusatzstudium absolviere, um dieses besondere Feld auch mit besonderem und umfangreichen Wissen zu kompetent zu begleiten. Berufsbegleitend = bzw. das heißt: Von mir selbst finanziert. Denn fast alle meiner Kommilitonen kommen bereits aus Fundraisingabteilungen von z.B. Rotes Kreuz, Dunkelziffer e.V., ASB, AWO etc. In Schleswig-Holstein ist das Berufsbild bisher nur bei den ganz großen Wohltätigkeitsorganisationen angesiedelt. Viele kleinere Stiftungen, Vereine versuchen noch, selbst „Irgendwie“ klar zu kommen. Mein Ziel, nur noch für gute Projekte tätig zu werden und dabei meine Kernkompetenzen – Marketingstrategien, Netzwerken, Ideen entwickeln – einzubringen, kommt mit diesem Schritt immer näher. Die bisherigen Erfahrungen mit dieser neuen Ausbildung zu verknüpfen, scheinen mir ideal. Außerdem lerne ich ja gerne und bin neugierig!

Wie es immer so geschieht, wenn man sich für etwas neues entscheidet, kommen dann auch gleich neue Anforderungen bzw. neue Aufträge. Darüber freue ich mich sehr. Allerdings gilt nach wie vor: Ich arbeite und denke nur für gute Projekte, mit Überzeugung und viel Engagement und Neugier. Und NEIN: Fundraising ist NICHT Geldsammeln. Dann wäre es nichts für mich. Fundraising ist auch Kommunikation nach Innen und Außen, es stärkt die Organisation weil die eigene Kraft der Organisation und das Engagement in und für die Projekte nach außen getragen wird. Nur so kann man auch „Mitmachen“ begeistern und für eine Sache gewinnen. Es transportiert Werte und Inhalte, kann neue Mitarbeiter ansprechen und die gesamte Mitarbeiterschaft stolz machen. Es hilft, positive Bekanntheit zu gelangen. Und nicht zuletzt: Ja, es weckt Interesse, zu helfen! Aber dann auch mit Herz und Verstand.

In vielen gemeinnützigen Vereinen oder Stiftungen fehlt dringend benötigtes Geld für die Erreichung der Ziele wie z.B. Projektfinanzierungen – für neue- oder auch die Weiterführung bereits vorhandener Projekte. Jede Organisation kommt auf andere Ideen und geht andere Wege. Eine (von vielen) Lösung kann nicht sein: „Wir müssen Spenden sammeln oder Sponsoren finden!“ Damit ist es nicht getan. Hier muss eine Strategie greifen. Spenden, Zustiftungen, Sponsoring oder auch Staatliche Förderungen usw. – viele Möglichkeiten brauchen professionelle Unterstützung. Gerade im Bereich Spenden/Sponsoring gilt: Es muss Begeisterung, Verständnis und eine Nachhaltigkeit geschaffen werden.

Wie passt dies in die Strategie des Gebers, wie können wir nachhaltig zusammenarbeiten und voneinander profitieren. Vor allem muss in der eigenen Organisation geprüft werden, wie die Einstellung der Führungskräfte hinter der Idee oder dem Vorhaben des Fundraising stehen. Es ist immer wieder zu beobachten, dass es interne Barrieren gibt. Welche dies sind, gilt es rechtzeitig zu erkennen. Alle Mitarbeiter müssen mit ins Boot genommen werden! Die Führungsebene muss nach innen und außen das Fundraising wirklich wollen und unterstützen. Der Aufbau eines Fundraising geht nicht sofort, gleich und schon gar nicht nebenbei oder „Frau/Herr XY macht das mal mit, wenn gerade Luft ist.“.

Es muss Zeit und ja, auch Geld, investiert werden. Es sollte kompetentes Personal oder Berater einbezogen werden. Die Kompetenzen müssen klar sein. Die Führungskräfte/der Vorstand muss Vertrauen haben, das „es“ klappt. Transparenz in den Abläufen der Organisation für den/die (freien) Fundraiser sollte geschaffen werden – wie sonst, sollte er/sie wissen, welche z.B. Spendenstruktur es gibt, wer unterstützt wann etc.. Für Fundraiser innerhalb einer Organisation braucht es eine klare Stellenbeschreibung. Man braucht Geduld und eine abgestimmte Kommunikation sowie eine strategische Ausrichtung. Es darf keine Konkurrenz zwischen Mitarbeiter Projekt (und vielleicht bisherige Fundraiser bzw. Betreuer Sponsoring) und Fundraising-Abteilung oder Kollege herrschen. Nur gemeinsam wird ein Schuh draus – also Netzwerke zusammen nutzen. Man will gemeinsam begeistern!

Wenn die Chance besteht, Fundraising einzuführen: Das kann ein „Motor für die gesamte Organisationsentwicklung“ sein! Allerdings darf niemals und NIE das Fundraising als reiner „Geldbeschaffer“ gesehen werden. Dann funktioniert es nicht! Es findet schon von vornherein keine Akzeptanz und vor allem Respekt innerhalb der Organisation. Wer möchte schon gerne mit einem „Spendenjäger“ zusammenarbeiten? Denn wofür arbeitet man denn in der Organisation XY – weil es für eine gute Sache ist! Für z.B. Kinderschutzrechte, Hospizarbeit oder Naturschutz. Reine Geldbeschaffung würde innerhalb und außerhalb blockieren. Weiterhin gibt es selbstauferlegte Ethikregeln für die Fundraisingbranche, die jede*r der in diesem Bereich tätig ist, auch beachten sollte.

Woran liegt es dann, dass Fundraising in vielen Organisationen „nicht so richtig rund läuft“? Einer der Gründe, die identifiziert wurden: „So notwendig braucht man die Unterstützung nicht. Der Laden läuft doch.“ Besteht dieses Gefühl, setzt sich niemand so richtig dafür ein. Die Mitarbeiter haben das Fundraising, z.B. durch einen unterstützenden Verein, nicht als IHR Anliegen begriffen. Das Vertrauen in die Chancen z.B. nicht nur der Generierung von zusätzlichen Mitteln für Projekte, sondern auch die Steigerung des Bekanntheits- und Beliebtheitsgrades, langfristige Bindung der Geber, Synergieeffekte werden nicht (ein)gesehen. Auch hier sollte die Führungsebene gemeinsam mit Fundraising diese (Überlebens)wichtigen Potenziale den Mitarbeitern (festen wie freien) unbedingt aufzeigen. Denn das gesamte Handeln, die Darstellung jedes Einzelnen hat eine Auswirkung AUCH auf das Fundraising. Wenn die Organisation nicht hinter der Idee des Fundraising steht – kann man dieses getrost einstellen, abwarten und Tee trinken!

Oft fehlt es aber nicht nur an fehlender Akzeptanz oder Unterstützung der Führungsebene und der Kollegen. Genauso ist zu beobachten, dass Fundraising die Systematik fehlt. Dieses fängt bei der Empfängeransprache an und hört beim Dankesschreiben auf. Es gilt also: Man kann noch viel lernen, besser machen.

Demnächst mehr hier. Schreibt mir gerne eine Mail mit Euren Anregungen oder konstruktive Kritik, Denkanstösse!

Denkanstösse dieses Artikels wurden teilweise aus „Denkmodelle für Fundraising“ Forschungsergebnisse der Studie „Bilder von Fundraising bei Vorständen und GeschäftsführerInnen diakonischer Einrichtungen“ von Beate Haverkamp und Wiebke Doktor entnommen.